Interview mit Marina A. Zimmermann

06:00

Ich habe Marina A. Zimmermann auf meinem Lesesofa begrüßen dürfen und ihr ein paar Fragen gestellt. Sie ist Autorin bei Telegonos-Publishing.

Hallo Marina! Ich freue mich dich hier begrüßen und interviewen zu dürfen.

Hallo Astrid! Ich danke dir für diese nette Gelegenheit, mit dir ein wenig plaudern zu können.

Könntest du dich unseren Leserinnen und Lesern kurz vorstellen?

Ich bin eine konstruktiv neugierige Frau, die sich immer wieder von der Schönheit der Worte begeistern lässt. So banal wie es klingen mag, aber Lesen und Schreiben sind zwei Bahnen, auf dessen Schienen mein Leben mich mitreißt. Ich bin in Deutschland geboren, habe einige Jahre in Frankreich und England gelebt, aber meine schönsten Jahrzehnte habe ich in Italien verbracht. Dort wollte ich mich eigentlich nur kulturell umsehen, jedoch lernte ich meinen Mann kennen und so genoss ich noch mehr die berufliche Zusammenarbeit. Wir organisierten Kunstauktionen und –ausstellungen, wobei mein Schwerpunkt die Erarbeitung der Kataloge und der Pressearbeit gewesen ist.

In welchem Genre schreibst du und welche Bücher sind von dir schon erschienen?

Es ist für mich schwer, ein bestimmtes Genre auszuwählen. Mein erstes Buch „Die Edelsteinsammlung“ entstand aus der Idee, ein Sachbuch über Edelsteine in einen spannenden Liebesroman einzubauen. Mein zweites Buch „Dein Spiel“ habe ich gerne als intriganten Liebesthriller bezeichnet. Und mein neuestes Buch „Dein Weg“ ist im Grunde ein unterhaltsamer Gesellschaftsroman. Die ersten beiden Bücher sind von mir auch ins Italienische übersetzt worden und der Liebesthriller wurde auch noch auf Englisch herausgebracht. 

Schreibst du Hauptberuflich als Autor oder hast du noch einen Brotjob?

Seit ich wieder in Deutschland wohne, füllt sich mein Leben mit dem Schreiben und Übersetzen aus.

Wie sieht dein Alltag aus?

So vielfältig und improvisierend wie die Tropfen eines Wasserfalls, die nie denselben Weg von der Quelle in den Sog nehmen. Es gibt so gut wie keine festen Zeiten, weder zum Essen, noch zu anderen Tätigkeiten. Nur am Abend haben wir ein sehr schönes Ritual, das wir wenigstens versuchen, so oft es geht, einzuhalten. Mein Mann und ich entspannen uns dann mit einer Partie Burraco und hören im Hintergrund gute Musik dazu. Dieses Kartenspiel ist etwas komplizierter als das hier bekanntere Canasta. Es ist sehr wichtig für meinen Mann, nachdem er schon zwei Schlaganfälle überstanden hat.

Was magst du, was magst du gar nicht und was ist dir wichtig?

Ich erfreue mich immer an allem Schönen: Ich liebe die Ästhetik. Sie ist mir sehr wichtig. Ein gelungenes Wort, ein sonniger Tag (ist in Deutschland ja eine willkommene Seltenheit! 😉 ), lange Spaziergänge und vieles mehr, alles, was die Seele einfach lächeln lässt.
Präpotenz und Unfreundlichkeit würde ich gerne aus meinem Leben verbannen.
Wichtig ist mir Vertrauen haben zu können und einen intelligenten Austausch.

War es schon immer der Plan gewesen zu schreiben oder bist du auf Umwegen dazu gekommen? Was war der springende Moment dafür zu sagen: "Jetzt will ich es veröffentlichen!"?

Eine eigene Geschichte zu schreiben, davon träumte ich schon seit der Studienzeit. Doch dann tauchte ich in die wunderbare Welt der Kunst und Antiquitäten und der Edelsteine ein. Also spezialisierte ich mich in Gemmologie. Erst, als wir unsere Aktivitäten abgeschlossen hatten, begann ich ernsthaft mit dem Schreiben. Die Veröffentlichung war nur eine natürliche Folgerung.

Unterstützen dich deine Familie und Freunde, oder wissen die gar nicht, dass du schreibst?

Mein Mann unterstützt mich sehr, besonders wenn ich meine zweifelnden Tage habe. Wir haben uns an einem Silvestertag kennengelernt. Vor nunmehr 38 Jahren. Unsere Beziehung ist wie ein guter Whiskey, je älter, desto besser.

Wenn du gerade mal kein Buch in der Hand hältst oder eins schreibst, wo und wie erlebt man dich dann?

In einer örtlichen Mittelschule gibt es eine Ü(bergangs)-klasse. Dort werden ausländische Schüler aufgenommen, die ein „Übergangsjahr“ absolvieren müssen, damit sie erst einmal die deutsche Sprache erlernen. Ich helfe ihnen dabei. Meine SchülerInnen kommen in diesem Schuljahr aus Griechenland, Syrien und Afghanistan. In den vergangenen Jahren waren auch Jugendliche aus Polen, Russland, Albanien, Rumänien und der Türkei dabei. Es ist sehr spannend und interessant, die verschiedenen Mentalitäten und Charaktere kennenzulernen.

Welche 3 Sachen und welche 3 Bücher würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen?

Eine Uhr, damit ich den Tagesablauf identifizieren kann. Eine Schere, weil meine Haare ungewöhnlich schnell wachsen. Und, da die 3 Sachen ja wunderbar hypothetisch zu nehmen sind, mein Laptop, mit der Hoffnung einen Hotspot zu erwischen. 😉

Die Auswahl von nur drei Büchern bereitet mir seelischen und beinahe auch körperlichen Schmerz.

Hast du ein Idol? Wenn ja, wen und wieso?

In meiner Teenagerzeit hatte ich ein Idol, doch als ich begriff, dass es sinnlos war, ihr nachzueifern, versuchte ich, mir von starken Menschen ihre besten Eigenschaften anzueignen und von schlechten Menschen zu lernen, was man einfach weglassen sollte, weil es einem irgendwann selbst schädlich werden kann.

Welchen berühmten Autor/in würdest du gerne mal zum Essen einladen?

Vielleicht in einem anderen Leben ... wäre ich gerne einmal mit Seneca oder Hermann Hesse zusammengesessen, bei einem schönen Glas Wein und einem Stück Käse. Auch hätte ich zu gerne mit Agatha Christie eine Tasse Tee getrunken.

Eine klassische Fangfrage: bist du der eBook- oder Print-Fan?

Ich muss gestehen, als die E-Reader aufkamen, wollte ich spontan meine ganzen Bücher aufladen. Doch dazu kam es nicht und ich bin sehr froh darüber. Seit ich Bücher sammle, achte ich schon immer auf besonders schöne Ausgaben. Möglichst in Leder oder Seide eingebunden. Und mit möglichst hauchdünnen Seiten, deren Duft zu einem betörenden Parfüm werden kann, während man in ihnen liest. Aber diese Zeiten sind wohl leider vorbei.

Wie siehst du die Entwicklung bei den eBooks, insbesondere bei der Piraterie oder auch der Möglichkeit ein eBook auch noch nach Wochen zurückgeben zu können?

Beides ist für mich nicht nachvollziehbar. Leider gibt es immer wieder jemanden, der Filme, Musik und Bücher haben will, ohne daran zu denken, dass die Urheber oft viel Geld und Herzblut in ihre Werke investiert haben.
Wie man ein E-Book zurückgeben kann, das möchte ich auch gerne wissen.

Wenn eines deiner Bücher verfilmt würde, wer sollte die Hauptrollen spielen?

Das ist eine sehr spannende Frage. Nehmen wir „Dein Spiel“. Für Ben würde ich Clive Owen oder Hugh Jackman einsetzen. Und für die weibliche Hauptrolle (auch wenn sie vielleicht altersmäßig nicht mehr ganz passen würde) Juliette Binoche.

Erzähle uns doch bitte etwas über dein aktuelles Buch.

Die Idee, bzw. das erste Kapitel, hatte ich einige Monate in einem Ordner im Laptop versteckt. Da ich meistens zu früh zu meinen Schulstunden komme, nutze ich gerne diese knappen Viertelstunden und schreibe Szenen auf, die mir in den Sinn kommen.
Letzten Sommer verbrachte ich mit meinem Mann drei Monate in Norwegen in einem kleinen Haus an einem überschaubaren See. Es war geplant, dass ich dort, in einer beinahe surrealen Ruhe und Abgeschiedenheit, diese Aufzeichnungen endgültig zu einem sehr einfühlsamen Roman ausarbeiten wollte. Wenigstens habe ich ihn so empfunden, da ich mich bei meinen endlosen Korrekturlesungen hin und wieder selbst kontrollieren musste, bevor meine Gefühle mich überwältigten.

Woher kommen die Ideen für deine Geschichten?

Sie entspringen dem Augenblick. Ich suche sie nicht. Sie kommen zu mir. Manchmal zu unmöglichen Zeiten oder Gelegenheiten, wenn ich gerade nichts zum Schreiben in der Nähe habe. Wenn ich z.B. im Auto sitze, dann kann es schon passieren, dass ich mir eine Parklücke zum Anhalten suche, damit ich eine gute Idee oder sehr schöne Sätze festhalten kann.

Wie viel von dir steckt in deinen Protagonisten?

Mein Leben hat mich in verschiedene Länder gebracht. Dort habe ich sehr interessante Menschen kennenlernen können. Ich bin stets sehr wachsam gewesen, weil ich immer gerne dazu lernen wollte. Diese Erfahrungen bringe ich in die Charaktere meiner Protagonisten mit ein.

Mit welchem deiner Protagonisten würdest du gerne einen Tag verbringen?

Alexios, der Protagonist aus „Die Edelsteinsammlung“.

Wie lange brauchst du für eine Geschichten - vom ersten Satz bis zur Endfassung?

Das ist sehr unterschiedlich. Im Durchschnitt würde ich sagen, ein Jahr.

Gibt es beim Schreiben etwas, worauf du sehr großen Wert legst? Vielleicht eine Tradition oder Aussage?

Ruhe, absolute Ruhe. Keine Musik, wenn möglich keine Stimme und Niemanden um mich herum, der mich ablenken könnte. 

Was machst du bei einer Schreibblockade?

Lesen, Kochen, Backen, Hausarbeit

Würdest du auch mal versuchen wollen in einem anderen Genre zu schreiben?

Das tue ich eigentlich ständig. 😉

Wie wichtig sind Rezensionen für dich?

So sehr sie schmerzen können, wenn man bemerkt, dass der Leser den Text anders interpretiert als man es sich selbst gewünscht hätte, finde ich es jedoch sehr wichtig zu erfahren, wie ein Buch gelesen und aufgefasst wurde.

Was ist als nächstes geplant und gibt es vielleicht sogar einen kleinen Tipp 😉 ?

Zur Zeit laufen zwei Projekte gleichzeitig. Mein nächster Roman hat schon sein zweites Kapitel begonnen. Aber ich bin auch zu einer Anthologie eingeladen worden, für die ich eine meiner Kindheitserinnerungen als Kurzgeschichte übergeben werde.

Gibt es noch etwas, dass du losen werden möchtest? Dann nur zu!

Ich muss gestehen, deine Fragen waren mitunter angenehm anspruchsvoll gewesen.

Vielen Dank für dieses Interview Marina! Wir freuen uns schon mehr von dir zu hören <3

Ich danke dir für dein überaus interessantes Gespräch.

Weitere Informationen über die Autorin findet ihr auf ihrer Homepage und Facebook.

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